Gemüt
By James Tyler Kent — Vorlesungen über homöopathische Arzneimittellehre
Der psychische Zustand ist eigentümlich.
Dem Patienten fehlt die Widerstandskraft. Was Silica für den Getreidehalm auf dem Feld ist, das ist es für den menschlichen Geist. Betrachten Sie die glänzende, steife äußere Hülle eines Getreidehalms, und Sie werden erkennen, mit welcher Festigkeit sie die Ähre trägt, bis diese reif ist; allmählich lagert sich darin Silica ab, um ihr die nötige Tragkraft zu geben. So verhält es sich auch mit dem Geist; wenn der Geist Silica braucht, befindet er sich in einem Zustand von Schwäche, Befangenheit, Bangigkeit, in einem Zustand des Nachgebens.
Würden Sie die Beschreibung dieses Zustandes von einem angesehenen Geistlichen, einem Rechtsanwalt oder einem Mann hören, der gewohnt ist, mit Selbstvertrauen, Festigkeit und Fülle des Denkens und Sprechens öffentlich aufzutreten, so würde er Ihnen sagen, er sei in einen Zustand geraten, in dem er davor zurückschreckt, öffentlich aufzutreten; er ist sich seiner selbst so bewusst, daß er sich nicht in sein Thema vertiefen kann; er scheut davor zurück, er fürchtet, zu versagen, sein Geist werde nicht arbeiten; er ist durch anhaltende Anstrengungen bei geistiger Arbeit aufgerieben.
Er wird aber sagen, daß es, wenn er sich selbst in das Joch zwingt, leicht weitergeht; seine gewohnte Selbstbeherrschung kehrt zu ihm zurück, und er macht es gut; er verrichtet seine Arbeit mit Raschheit, Fülle und Genauigkeit. Der eigentümliche Silica-Zustand zeigt sich in der Furcht zu versagen.
Hat er irgendeine ungewöhnliche geistige Aufgabe zu erfüllen, so fürchtet er, damit zu versagen, und doch führt er sie gut aus. Dies ist das frühe Stadium; natürlich kommt eine Zeit, in der er die Arbeit nicht mehr genau ausführen kann, und dennoch kann er noch Silica brauchen.
Ein anderer Fall zeigt sich bei einem jungen Mann, der jahrelang studiert hat und sich nun dem Ende seines Studiums nähert. Er fürchtet die Abschlußprüfungen, besteht sie aber gut; danach überfällt ihn eine Erschöpfung, und jahrelang ist er unfähig, in seinen Beruf einzutreten. Er hat diese Furcht, irgend etwas zu unternehmen.
Reizbar und jähzornig, wenn er erregt wird; wenn man ihn in Ruhe läßt, ist er schüchtern, zurückhaltend, möchte sich vor allem drücken; milde, sanfte, weinerliche Frauen. Das Silica-Kind ist verdrießlich und weint, wenn man es anspricht. Es ist wegen seiner großen Ähnlichkeit die natürliche Ergänzung und das Chronikum von Puls.; es ist ein tiefer und gründlicher wirkendes Mittel.
Religiöse Melancholie, Traurigkeit, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit. Bei Lyc. besteht geistige Stumpfheit; die Furcht, irgend etwas zu unternehmen, entspringt einem allgemeinen Bewußtsein der Unfähigkeit. Bei Silica ist sie eingebildet.
Silica ist nicht angezeigt bei der Reizbarkeit und nervösen Erschöpfung, die aus geschäftlicher Gehirnermüdung hervorgeht, sondern eher bei jener Gehirnermüdung, wie sie Gelehrten, Studenten, Rechtsanwälten und Geistlichen eigen ist. Ein Rechtsanwalt sagt,
"Seit jenem John-Doe-Fall bin ich nie wieder ich selbst gewesen"
Er ging durch eine anhaltende Anstrengung, und schlaflose Nächte folgten. Silica stellt das Gehirn wieder her.
Haut
Das Mittel erzeugt um jeden fibrinösen Herd eine Entzündung und eitert ihn aus.
Es wirkt auf träge Konstitutionen und entzündet fibröse Ablagerungen um alte eingebettete Geschosse. Verlangsamte Ernährung; wenn der Betroffene eine leichte Verletzung erleidet, kommt es zur Eiterung, und die Narbe induriert, wird hart und knotig.
Entlang des Verlaufs eines Messerschnittes findet sich infolge mangelhafter und verlangsamter Ernährung eine fibrinöse Ablagerung. Ein altes Geschwür heilt unter Induration. Wo sich Narbengewebe bildet, ist es induriert, glänzend, glasig. Wird Silica in solchen Fällen gegeben, so bildet es in diesen Narben Abszesse und eröffnet sie. Es wird alte Geschwüre wieder eröffnen und sie mit einer normalen Narbe heilen.
Bei gewöhnlichen Menschen wird, wenn sich ein Splitter im Gewebe festsetzt, dieser durch eine Eiterung abgestoßen; aber bei diesen schwachen Konstitutionen bildet sich darum eine plastische Ablagerung, und er bleibt liegen. Dies ist nicht der höchste Grad von Ordnung. Um eine Kugel entsteht Eiterung und drängt sie hinaus; das ist der beste Zustand, den man sich wünschen kann.
Silica beschleunigt daher die Bildung von Abszessen und Furunkeln. Es eitert alte Grützbeutel und indurierte Tumoren aus. Es hat rezidivierende Fibrome und alte indurierte Tumoren geheilt.
Wenn sich in den Lungen eine Tuberkelablagerung befindet, setzt Silica eine Entzündung in Gang und eitert sie aus; und wenn die ganze Lunge tuberkulös ist, wird eine allgemeine eitrige Pneumonie die Folge sein; daher die Gefahr, solche Mittel zu geben, und die Gefahr, sie im fortgeschrittenen Stadium der Phthise zu wiederholen. Nicht nur Silica, sondern auch viele andere Mittel haben die Kraft, infolge mangelhafter Ernährung entstandene Ablagerungen auszueitern.
Warzige Wucherungen auf der Haut, feuchte Ausschläge, Pickel, Pusteln, Abszesse. Eiternde Höhlen. Es bewirkt die Heilung alter fistulöser Öffnungen mit indurierten Rändern. Katarrhalische Eiterungen; reichlicher schleimig-eitriger Ausfluss aus den Augen, der Nase, den Ohren, der Brust, der Vagina usw.
Unterdrückung
Beschwerden infolge der Unterdrückung von Absonderungen; unterdrückter Schweiß.
Diese Unterdrückungen erzeugen im Organismus einen Zustand, der die geringe Ordnung, die noch verblieben ist, bedroht. Ein übelriechender Fußschweiß hört auf, nachdem die Füße nass geworden sind, und darauf folgen Frostschauer und heftige Beschwerden.
Silicea heilt lang anhaltenden Fußschweiß, wenn die Symptome übereinstimmen, oder Beschwerden, die seit der Unterdrückung eines Fußschweißes andauern. Dicke, gelbe katarrhalische Absonderungen.
Man sagt:
"Ich habe diesen Ausfluss schon so viele Jahre,"
und wenn man nachforscht, findet man, dass irgendein Schock, eine Erkältung, den Fußschweiß unterdrückt hat und er seitdem nicht wieder erschienen ist. Silicea bringt diesen Schweiß wieder zurück, bewirkt, dass der katarrhalische Ausfluss aufhört, und heilt mit der Zeit den Fußschweiß.
Katarrhalische Absonderungen aus der Nase und anderen Stellen, Verhärtungen, Tumoren, chronische Gastritis, geistige Erschöpfung, alles zurückgehend auf die Unterdrückung von Fußschweiß oder Otorrhö, oder auf die Verheilung einer Fistel.
Kopf
Chronischer Migränekopfschmerz, begleitet von Übelkeit und selbst Erbrechen.
Kopfschmerz, der morgens oder gegen Mittag im Hinterkopf beginnt und zur Stirn zieht, gegen die Nacht hin schlimmer, durch Geräusch; besser durch Wärme; Supraorbitalneuralgien; besser durch Druck und Wärme und begleitet von reichlichem Kopfschweiß.
Kalter, klammer, übelriechender Schweiß auf der Stirn. Wenn ein Silica-Patient sich anstrengt, schwitzt er im Gesicht, der untere Teil des Körpers ist trocken oder nahezu trocken. Es bedarf großer Anstrengung, um allgemeinen Schweiß hervorzurufen. Ein auffallendes Merkmal ist der Schweiß an den oberen Körperpartien und am Kopf.
Einmal wöchentlich Kopfschmerz ( Gets., Lyc., Sang., Sulph.). Kopfschmerz, der durch den Nacken hinaufzieht und besonders zur rechten Seite des Kopfes. Ähnelt Sang. Schwere im Hinterhaupt, als würde es nach hinten gezogen, mit Blutandrang zum Kopf, wie bei Carbo veg. und Sepia .
Kopfschmerz schlimmer durch kalte Luft. Psor. trägt selbst im Sommer eine Pelzkappe. Magn. mur . ist besser durch Einhüllen des Kopfes, will aber dennoch an die Luft. Rhus schwitzt am Körper; der Kopf bleibt trocken. Puls. schwitzt auf einer Seite des Kopfes.
Schwindel bis zur Ohnmacht; mit Übelkeit; Schwindel, der die Wirbelsäule hinauf in den Kopf kriecht.
Für den Silica-Patienten ist es besonders notwendig, kalte Luft zu vermeiden; er muss den Kopf gut eingehüllt halten, besonders den schmerzhaften Teil, und dieser Teil schwitzt reichlich.
"Kopfschmerz schlimmer durch geistige Anstrengung, übermäßiges Studieren, Geräusch, Bewegung, selbst Erschütterung infolge von Fußtritten, Licht, Bücken, Pressen beim Stuhl, Sprechen, kalte Luft, Berührung."
Wieder zur Haut: Feuchter, schuppiger Ausschlag auf der Kopfhaut, Eczema capitis.
Silica eignet sich für die phagedänischen Geschwüre der Syphilis, um sich fressende und sich ausbreitende Geschwüre auf der Kopfhaut. Entzündliche Zustände zwischen Kopfhaut und Schädel, wobei sich Tumoren bilden, die mit einer grumösen Flüssigkeit gefüllt sind; wie im Säuglingsalter beseitigt es Blutgeschwülste.
Cephalhämatom der Neugeborenen, Enchondrosen. Silica ist besonders nützlich in der Behandlung von Affektionen der Knorpel, Wucherungen an den Gelenken, an den Fingern und Zehen.
Die Beschwerden von Silica sind mit verhärteten Drüsen verbunden, besonders aber am Hals, den zervikalen, Speichel- und insbesondere den Ohrspeicheldrüsen; große, harte Parotiden. Die Parotiden vergrößern sich bei jeder Erkältung und werden hart. ( Bar. carb., Calc., Sulph ,)
Puls. passt bei der akuten Entzündung der Ohrspeicheldrüse, aber Silica ist angezeigt bei den chronischeren, auf Psora beruhenden Formen, " skrofulöse Drüsen."
Augen
Viele Entzündungen und andere Affektionen der Augen.
Geschwüre auf der Hornhaut; Pusteln an den Augenlidern, Ausfallen der Wimpern, Eiterung der Lidränder mit Brennen, Stechen und Rötung. Heftige Lichtscheu bei allen Augenbeschwerden.
Skrofulöse Fälle mit wunden Augen, die hartnäckigsten und chronischsten Fälle; Eiterung; dünner, wässriger, reichlicher Ausfluss oder blutiger, dicker, gelber, eiterähnlicher Ausfluss, mit Geschwürbildung.
Syphilitische Iritis.
"Perforierendes oder brandig zerfallendes Geschwür der Hornhaut.
Flecken und Narben auf der Hornhaut.
Fungus haematodes.
Durch traumatische Ursachen entzündete Augen; Fremdkörper sind in den Augen steckengeblieben; Abszesse; Furunkel um die Augen und an den Lidern, Tarsaltumoren, Gerstenkörner.
Affektionen, die in den Augenwinkeln auftreten; Fistula lachrymalis; Verengung des Tränenganges."
Dies ist ein allgemeiner Überblick über die Augenaffektionen von Silica.
Ohr: Es gibt kein tiefer wirkendes Mittel als Silica zur Ausrottung der tuberkulösen Anlage, wenn die Symptome übereinstimmen; die meisten tuberkulösen Fälle werden durch kaltes, nasses Wetter schlimmer; besser bei kaltem, trockenem Wetter.
Die hartnäckigsten Fälle von Ohrkatarrh; alter, übelriechender, dicker, gelber Ohrenausfluss; nach Scharlach; alle Arten von Hörstörungen bis zur Taubheit.
Brausen in den Ohren, verbunden mit vielen Krankheiten und Schwerhörigkeit; Zischen, Brausen wie Dampf; wie ein Zug von Eisenbahnwagen, vielfach infolge mechanischer Ursache und in anderen Fällen infolge eines Nervenleidens.
Dies ist gewöhnlich der Beginn eines trockenen Katarrhs des Mittelohres; das Mittel ist besonders nützlich, wenn bei Katarrh des Mittelohres und der Eustachischen Röhre die Schwerhörigkeit eine Zeitlang anhält und das Gehör mit einem Knacken zurückkehrt, infolge des Entweichens einer irgendwo angesammelten Flüssigkeit, vom Patienten als Knacken oder Knall beschrieben.
Plötzliche Knalle im Ohr wie ein Kanonenschuss, ferne Geräusche mit Wiederkehr des Gehörs.
"Ohrenausfluss, übelriechend, wässrig, käsig, mit Wundheit der inneren Nase und Krusten an der Oberlippe, nach Missbrauch von Mercury, mit Karies."
Knochenkaries an jedem Teil des Körpers, besonders aber der kleinen Knochen des Ohres, der Nase und des Warzenfortsatzes,
"Schorfe hinter den Ohren."
Ruptur des Trommelfells.
Katarrhalische Zustände des inneren Ohres und der Eustachischen Röhre, mit
"Gefühl eines plötzlichen Verschlusses im Ohr, besser durch Gähnen oder Schlucken."
Besonders bei Ohrbeschwerden finden sich damit verbunden verhärtete Ohrspeicheldrüsen.
Nase
Ansammlung harter Krusten in der Nase, Verlust von Geschmack und Geruch, Nasenbluten, Verdickung der Schleimhaut; höchst bösartiger Katarrh mit Abgang von Knochenteilen aus der Nase.
Entsetzliche, übelriechende Ozaena, alte syphilitische Fälle, bei denen die Nasenknochen zerstört sind und die Nase zu einem schlaffen Sack wird, einsinkt oder durch Ulzeration zerstört ist, sodass eine Öffnung zurückbleibt. Silica kann heilen, und danach kann eine künstliche Nase angefertigt werden.
Hepar konkurriert mit Silica bei syphilitischen Nasenkatarrhen, wenn die Teile phagedänisch sind; Hepar, Merc. cor. und Ars., sind die wichtigsten Antisyphilitika, wenn eine phagedänische Ulzeration der Nase vorliegt. Säuglinge leiden unter blutigem Nasenausfluss. Das ist oft Calc. sul.
Gesicht
Das Aussehen des Silica-Gesichts ist seidig, anämisch, wächsern, müde. Pustulöse und vesikulöse Ausschläge breiten sich über das Gesicht aus, die Nasenflügel reißen ein, die Lippen bekommen leicht Schrunden; an der Grenze zwischen Schleimhaut und Haut bilden sich Krusten; Ausschläge und Krusten, unter den Krusten entstehen Verhärtungen, sie schälen sich ab, und es kommt zu keiner Heilung.
Diese Verhärtungen sind dieselbe Art minderwertigen Gewebes, wie man sie unter Lupus und Epitheliom findet, eine minderwertige Gewebsbildung, ein minderwertiger Ekzemzustand, der die Infiltration begünstigt. Die kleinen Blutgefäße, die zu ihnen hinführen, werden immer dicker, bis sie knorpelartig werden. Es besteht eine Neigung, die weichen Gewebe härter und die harten Gewebe noch härter zu machen.
Im Kindesalter werden die Knochen weicher und gehen sogar in Nekrose über, oder es kommt zu einer Entzündung des Periosts mit nachfolgender Nekrose. Karies des Schafts der langen Knochen, der Knochenköpfe und der knorpeligen Anteile; Abszesse in Knorpeln, Enchondrome.
Knochen zerfallen und bilden fistulöse Öffnungen. Nekrose des Kiefers, der Gelenke, des Hüftgelenks, der Tibia, Nekrose der Wirbelsäule, der Wirbel, so dass es zu einer Verkrümmung der Wirbelsäule kommt, besonders seitlich. Homöopathische Ärzte können diese Knochenaffektionen mit Hilfe von Hilfsapparaten oder Stützen behandeln.
Der Silica-Patient hat raue Lippen, sie reißen ein und schälen sich; Rhagaden. Schuppige Erscheinungen an den Lippenrändern, Fissuren in den Mundwinkeln, die sich verhärten. Häufig verläuft am Rand der Kruste eine Fissurlinie. An den Nasenflügeln bilden sich kleine epitheliomartige Krusten, die, wenn man sie abkratzt, eine wunde Fläche ohne Neigung zur Heilung hinterlassen.
Krustige Bildungen an den Ohren.
Die Zähne zerfallen, verlieren ihre Schmelzoberfläche; das Dentin besteht größtenteils aus kieselsaurem Kalk, und die Oberfläche des Zahns wird rau, verliert ihren Glanz, und Karies setzt ein.
Dies tritt oft am Rand des Zahnfleisches auf; an den Spitzen der Zahnwurzeln bilden sich Geschwüre. Die Zähne leiden bei Kälte oder Feuchtigkeit; Zahnschmerzen bei nassem Wetter, und die Zähne sind gelb, verfallen rasch, und das Zahnfleisch zieht sich von ihnen zurück.
Alle Neuralgien und Zahnschmerzen bessern sich in einem warmen Zimmer und durch heiße Getränke. Abszesse am Zahnfleisch und im Gesicht, besser durch Wärme. Starke Schmerzen im Kiefer, nachts zerreißend, reißend, besser durch Hitze; diese Schmerzen enden oft in Abszessen um die Zähne herum. Bisweilen durch Druck gelindert, sofern die Stelle nicht infolge der Entzündung äußerst empfindlich ist.
Die Zunge zeigt eine Entzündung gichtischen Charakters; Entzündung mit drohendem Abszess, sie füllt den ganzen Mund aus; zerreißende, reißende Schmerzen, nachts schlimmer und durch Wärme besser.
Hals
Im Hals und am Hals finden wir Entzündung und Schwellung aller Drüsen, der äußeren wie der inneren, gleichzeitig oder auch einzeln.
Angina tonsillaris mit starken Schmerzen in einer oder beiden Tonsillen; drohende Eiterung. Entzündung der Ohrspeichel-, Unterzungen- und, viel seltener, der Unterkiefer- und Halsdrüsen; schmerzhaft, geschwollen und hart, mit Schmerzen im Hals, in den Schultern und im Kopf, selbst bei akuten Entzündungen. Dann aber finden wir auch den entgegengesetzten Zustand. In einem alten, chronischen, durch Leiden zerrütteten Fall sind die Symptome nach einem Bad schlimmer; er verlangt Wärme, fürchtet die Kälte und fröstelt ständig.
Wenn sich jedoch am Hals eine akute Entzündung befindet, ist gerade das Gegenteil vorhanden; er leidet an Hitzewallungen, an einem unregelmäßigen, flüchtigen Fieber, an kalten Extremitäten, während der obere Teil des Körpers heiß ist, an Schweiß um Kopf und Hals, an Hitzegefühl und Erstickungsgefühl in einem warmen Zimmer. Dies findet sich bei Angina tonsillaris und bei Abszessen der Halsdrüsen, sofern sie akut sind. Silica zeigt hier seine Beziehung zu Puls. Letzteres ist in seinen chronischen Erscheinungen mit Hitze überladen, ist aber bei einem akuten Leiden fröstelig. Hinsichtlich ihrer akuten und chronischen Zustände sind sie umgekehrt. Puls ist zu Beginn fröstelig und verschwitzt.
Silica ist voller Halssymptome, ist aber bei akuten Formen selten angezeigt, weil sein Tempo zu langsam ist; es kommt erst nach einer Reihe von Erkältungen in Betracht, nach solchen Erkältungen, die eine Anzahl Male durch Bell . oder andere akute Mittel gebessert werden, sich aber dennoch weiterhin in den Tonsillen und in den Halsdrüsen festsetzen.
Silica durchbricht diese Tendenz. Es gibt einen katarrhalischen Zustand im Hals, der durch jede Erkältung zu einem vermehrten Fluss mit Heiserkeit aufgerüttelt wird und dann wieder in den chronischen Zustand zurücksinkt; chronische Katarrhe des Pharynx.
Es konkurriert mit Natrum mur . bei hartnäckiger Halsentzündung.
Magen
Silica stört den Magen, verursacht Schluckauf, Übelkeit und Erbrechen und stört die Leber.
Alle diese Symptome hängen zusammen und lassen sich schwer voneinander trennen. Deutliche Abneigung gegen warme Speisen, Verlangen nach kalten Dingen, er will seinen Tee mäßig kalt, isst seine Speisen lieber kalt, mag warme Speisen nicht. Mitunter besteht eine deutliche Abneigung gegen Fleisch, doch wenn er es nimmt, bevorzugt er kaltes, aufgeschnittenes Fleisch. Er mag Eiscreme, Eiswasser und fühlt sich wohl, wenn sie im Magen sind; bisweilen ist es ihm unmöglich, heiße Flüssigkeiten zu trinken, sie verursachen Schweiß an Gesicht und Kopf und Hitzewallungen. (Bar. c.)
Silica wird durch die Extreme von Hitze und Kälte gestört und schon durch Veränderungen von nur wenigen Graden leicht beeinflusst; er hat Beschwerden durch Überhitzung; er überhitzt sich leicht, schwitzt schon bei einer geringen Temperaturänderung leicht und erkältet sich.
Fall: Ein Arzt, der einen geburtshilflichen Fall betreute, hatte in der letzten Phase einige Schwierigkeiten und überhitzte sich; nachdem er Mantel und Hut angezogen hatte, ging er auf die Veranda, um sich abzukühlen, und wurde von Asthma, heftigem Husten, reichlichem Auswurf mit Würgen und Erbrechen befallen, was monatelang anhielt.
Die akuten Mittel, die er genommen hatte, linderten nur, aber eine Gabe Silica heilte ihn beinahe ebenso schnell, wie er befallen worden war; er konnte ein warmes Zimmer nicht vertragen; die akuten Beschwerden von Silica sind in einem warmen Zimmer und durch Hitze oft schlimmer.
Silica hat eine Verschlimmerung durch Milch. Häufig ist der Säugling außerstande, irgendeine Art von Milch zu vertragen, und daher sieht sich der Arzt gezwungen, alle auf dem Markt befindlichen Nahrungsmittel zu verordnen, wenn er das richtige Mittel nicht kennt. Natrum carb. und Silica sind beide nützlich, wenn die Muttermilch Diarrhöe und Erbrechen verursacht.
Der Routinier wird wahrscheinlich Mittel wie Aethusa geben und Silica völlig vergessen. Silica hat ebenso wie Natrum carb. saures Erbrechen und saure Milchgerinnsel im Stuhl.
"Abneigung gegen Muttermilch und Erbrechen."
"Diarrhöe durch Milch."
Fassen Sie diese beiden zusammen.
Obwohl der Patient eine Abneigung gegen heiße Dinge hat und kalte Dinge essen möchte, steigern bei Brustbeschwerden doch kaltes Wasser, Eiscreme und kalte Dinge überhaupt den Husten bis zum Würgen, und dann ist der Brechreiz entsetzlich; heftiger Husten mit Brechreiz und Würgen. Brechreiz bei dem Versuch auszuwerfen wird gewöhnlich durch Carbo veg. beherrscht, aber Silica hat es.
"Wasseraufstoßen, mit Frösteln, mit brauner Zunge; Übelkeit und Erbrechen des Getrunkenen, morgens schlimmer; Wasser schmeckt schlecht; erbricht nach dem Trinken."
Der Silica-Magen ist schwach, in einem trägen Zustand; alte Dyspeptiker, die lange erbrochen haben, besonders solche, die eine Abneigung gegen warme Speisen haben, keine Milch vertragen und Fleisch abgeneigt sind, wenn die psychischen und körperlichen Symptome damit übereinstimmen.
Silica war eines der größten Mittel gegen die chronische Diarrhöe bei den Soldaten unseres Bürgerkriegs. Es heilte einen beträchtlichen Prozentsatz derer, die krank geworden waren durch Schlafen auf feuchtem Boden, durch Essen aller möglichen Speisen, bis Magen und Darm darniederlagen, durch lange Märsche, durch den Zug in den Süden aus dem kalten Norden, durch Überhitzung. In diesen Symptomen ist es Sulphur ähnlich.
Silica hat einige Schmerzen in Magen und Darm, doch mehr Wundheit bei Druck; Kolik und Flatulenz und Druckempfindlichkeit; eine chronische Wundheit im Magen, und wenn dies zu lange andauert, tritt ein tuberkulöser Zustand ein.
Bauch
Bauchschmerzen, durch Wärme gelindert; Auftreibung des Darmes mit Flatulenz und Kollern.
Vergrößerter Bauch bei Kindern und Erwachsenen ( Bar. c.); Engegefühl quer über den Bauch. Durch den Druck der Kleidung gestört und nach dem Essen schlimmer; das ausgeprägte Kennzeichen ist die Besserung durch Wärme.
Verstopfung durch Unfähigkeit des Rektums, die Fäzes auszutreiben. Selten liegt der Stuhl wie bei Alumina ohne Drang im Rektum; es besteht viel Drang zum Stuhl, aber Unfähigkeit, ihn auszutreiben. Der Stuhl kann aus kleinen Kügelchen bestehen oder groß und weich oder groß und hart sein, doch besteht starkes Pressen mit Schwitzen am Kopf und großem Leiden beim Pressen; das Rektum wird verlegt, er presst, bis er schwach und erschöpft ist, der Stuhl gleitet zurück; und er gibt in Verzweiflung auf.
Er kann sich nur durch irgendein mechanisches Verfahren Erleichterung verschaffen. Starkes Pressen beim Stuhl gehört zu vielen Arzneien, besonders aber zu Alumina, Alumen, China, Natr . mur., Nux vom., Nux mosch., and Silica.
Silica hat Bandwurm beseitigt, wenn die Symptome passen( Calc., Sulf.)
Es hat auch fistulöse Öffnungen geheilt. Patienten mit Neigung zur Phthise neigen zu Abszessen in der Gegend des Rektums, die nach innen oder außen durchbrechen und vollständige oder unvollständige Öffnungen bilden.
Diese scheinen an die Stelle dessen zu treten, was sonst kommen würde, und wenn sie durch Operation oder andere äußere Mittel geheilt werden, besteht die Neigung, daß es in Brustleiden endet, entweder in Form eines festsitzenden Katarrhs oder tuberkulöser Infiltrationen.
Silica ist eine der Arzneien, die die Konstitution ordnen, und in ein bis fünf Jahren hört die Öffnung auf, notwendig zu sein, und heilt. Chirurgen verschließen sie sofort, und eine Zeitlang ist der Patient behaglich, aber in einigen Jahren bricht er zusammen.
Caust., Berb., Calc. c., Calc. phos., Graph., Sulph. usw. sind in solchen Fällen geeignet. Silica folgt hier Thuja gut.
Harnorgane: Eiternde Zustände in den Harnwegen, Katarrh der Schleimhäute; alter, hartnäckiger Katarrh der Harnblase mit Eiter und Blut im Harn; reichliche, fadenziehende Ablagerungen im Harn.
Prostatitis, Eiterung, dicker, übelriechender Eiter aus der Harnröhre. Gonorrhoe, Eiter oder eiterähnlicher Ausfluss aus der Harnröhre, geringer, flockiger Ausfluss, blutiger, eitriger Ausfluss. Er ist zuweilen dick oder quarkartig; dies kann von jeder Schleimhaut ausgehen.
Männer: Abszesse entlang des Penis, im Perineum, in der Prostata, in den Hoden.
Chronische Entzündung und Verhärtung der Hoden mit starken Schmerzen; die Hoden fühlen sich an, als würden sie zusammengedrückt, sind empfindlich, schmerzhaft. Hydrozele bei Knaben oder Erwachsenen.
Beim Mann Impotenz, Schwäche der Genitalien nach dem Koitus, leicht erschöpft, kraftlos; erschöpft, wenn er Koitus auch nur mit annähernd gewöhnlicher Häufigkeit hat; er braucht eine Woche oder zehn Tage, um sich zu erholen ( Agar .).
Starkes Schwitzen der Genitalien mit Erschöpfung, ermattet in der Wirbelsäule, schwacher Rücken. Unwillkürlicher Harnabgang nachts; Enuresis bei kleinen Knaben und Mädchen.
Frauen: Bei Frauen ein hochgradig erschöpfter Zustand der geschlechtlichen Funktionen.
Seröse Zysten in der Vagina, fistulöse Öffnungen und Abszesse an der Vulva, die unter harten Knötchen heilen oder überhaupt nicht heilen; kleine nässende Fisteln, übelriechender, käsiger Ausfluss. Sie heilen zu kleinen Knötchen ab und brechen dann an demselben Herd wieder auf. Frauen, die zu solchen Abszessen neigen.
Blutiger Ausfluss zwischen den Perioden. Bei Silica kommt es sehr leicht zu Blutfluss aus der Gebärmutter; ein hämorrhagischer Fluss tritt vor der Menstruation durch Erregung auf und besonders während des Stillens; wenn das Kind an die Brust gelegt wird, beginnt ein Blutfluss.
Beachten Sie den Unterschied zwischen Calc. und Silica. Calc . neigt zu Blutfluss während der Laktation, aber nicht dann, wenn das Kind an die Brust gelegt wird.
Silica heilt Hydrosalpinx und Pyosalpinx mit reichlichem, wässrigem Ausfluss aus der Gebärmutter. Mitunter hat eine Frau einen Knoten auf der einen oder anderen Seite der Gebärmutter, der stetig zunimmt, und plötzlich kommt es zu einem schwallartigen Abgang von wässriger, blutiger, eitriger Flüssigkeit, und der Knoten verschwindet, um sich bald wieder zu füllen und sich auf dieselbe Weise in schwallartigem Ausfluss zu entleeren.
So sind die Erscheinungen von Hydrosalpinx und Pyosalpinx. Völliges Ausbleiben der Menstruation über Monate; Amenorrhö.
Seröse Zysten in der Vagina, so groß wie eine Erbse oder eine Orange, aus der Vagina hervortretend oder nach oben vorspringend und ihrer Form entsprechend abgeflacht. Viele kleine Zysten, wie Hickorynüsse, zusammen gruppiert. Rhod . und Silica haben diese selbst dann geheilt, wenn nur wenige andere Symptome vorhanden waren.
"Leukorrhoe, reichlich, scharf, wundmachend, milchig; ihr gehen schneidende Schmerzen um den Nabel voraus, die beißenden Schmerz verursachen, besonders nach scharfer Speise; während des Wasserlassens; schwallweise; bei Krebs der Gebärmutter. Harte Knoten in den Mammae."
Drohende Abszesse der Brüste. Wenn die Arznei rechtzeitig gegeben wird, wird sie das ganze Übel zum Stillstand bringen. Wo die Arznei zu spät gekommen ist und Eiterung unvermeidlich ist, kommt Silica ebenfalls zu ihrem Anteil. Es kann Klopfen, Druckempfindlichkeit und Schwere vorhanden sein, dennoch beherrscht die Arznei den Schmerz, beschleunigt den Abschluß, und die Öffnung erfolgt natürlich, entleert wenig und schließt sich sofort. Sobald ein Schmerzmittel gegeben, ein heißer Breiumschlag aufgelegt wird, werden Sie mit Ihren Arzneien versagen.
Es ist zuviel Blut in dem Teil, und die Anwendung eines Breiumschlags vermehrt das Übel; sie verursacht einen vermehrten Blutandrang zu dem Teil, und wenn Eiterung eintritt, verursacht sie mehr Gewebszerfall. Statt eines Fingerhuts voll Eiter werden Sie tagelang Tassen voll haben, und die Hälfte der Drüse wird zerstört.
Frauen, die so schwach sind, daß sie zum Abort neigen oder keine Empfängnis eintritt. Es scheint, als seien die Organe ermüdet und unfähig, ihre Funktionen auszuüben.
Der Säugling hat alle möglichen Beschwerden. Er wächst kränklich auf; verträgt die Milch seiner Mutter oder überhaupt irgendeine Nahrung nicht; Erbrechen und Diarrhöe. Ein gesundes Kind verdaut selbst unzuträgliche Milch.
Brust
Der Silica-Husten ist ein gefährlicher; das Mittel passt zum frühen Stadium der Phthise, wenn die Lunge noch nicht ausgedehnt befallen ist; es passt bei Husten von katarrhalischem Charakter, wenn die Symptome übereinstimmen.
Wenn sich in der Lunge ein kleiner Abszess findet, ohne Neigung zur Heilung, bringt es Wiederherstellung zustande, bewirkt eine Kontraktion seiner Wände. Eingewurzelte Fälle von Katarrh der Brust mit asthmatischem Giemen, nach Überanstrengung. Nach heftiger Anstrengung und Überhitzung gerät er in Zugluft oder erkältet sich durch ein Bad, wird fröstelnd.
Feuchtes Asthma, grobes Rasseln, die Brust scheint mit Schleim gefüllt, es ist, als müsse er ersticken. Besonders das Asthma alter Sykotiker oder bei Kindern sykotischer Eltern. Es konkurriert in solchen Fällen mit Nat. sul. Der Patient ist bleich, wächsern, anämisch, mit großer Erschöpfung und Durst.
Asthmatische Anfälle nach unterdrückter Gonorrhöe, mit Neigung, Beschwerden durch Überanstrengung und Überhitzung zu entwickeln, wie bei den meisten Sykotikern.
Trockener, quälender Husten mit Heiserkeit, drohende Tuberkulose des Kehlkopfs, eigentümlich rissige Stimme infolge Verdickung der Kehlkopf-Schleimhaut oder tuberkulöser Beteiligung; Wundheit der Brust mit drohender miliärer Tuberkulose, mit Verschlimmerung durch Kälte und Besserung durch warme Getränke.
Lungenleiden bei Steinhauern. Der feine Staub verursacht chronische Reizung. Silica stellt eine Eiterung her und wirft diese Steinpartikel aus.
Auswurf reichlich, übelriechend, grün, eitrig; nur tagsüber zäh, milchig, scharfer Schleim, zuweilen bleiches, schäumendes Blut.
Chronische Neigung, dass sich Erkältungen auf die Brust setzen und asthmatische Symptome hervorrufen. Chronische Bronchitis; Entzündung der Lungen mit Eiterung. Silica passt besonders zu den späteren Stadien der Pneumonie und zu den alten, chronischen Beschwerden nach Pneumonie.
Langsame Genesung nach Pneumonie ( Lyc., Sulph., Phos., Sil., Calc.). Hitzewallungen, Rasseln in der Brust. Hitzewallungen im Gesicht während des Tages ( Sulph., Sep., Lach .), Rasseln wie bei Ant. tart., Wallungen wie bei Sulph . und Lyc .
Phthise; dicker, gelber, grüner, übelriechender Auswurf, ausgeprägtere Kälte als bei Calc., und Kopfschweiß, Schmerzen in den Lungen, wundes Gefühl in den Lungen, Stechen.
An den Extremitäten haben wir Entzündung des Periosts. Hühneraugen ( Ant. cr., Graph .). Eingewachsene Zehennägel. Rheumatismus der Fußsohlen. Kann nicht gehen ( Ant. cr., Med., Ruta, Sil .). Beginnt zu schwitzen, sobald er einschläft ( Puls., Con.).
Epilepsie; Aura im Solarplexus, die in Brust und Magen aufsteigt.
Komplementär zu Calc., Puls. und Thuja.