Solanum Nigrum
von John Henry Clarke — Der Neue Clarke – Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker
Schwarzer Nachtschatten. N. O. Solanaceæ. Tinktur der frischen Pflanze.
Klinisches
Amaurose / Chorea / Kopfschmerz / Sodbrennen / Hydrozephalus / Manie / Meningitis / Nachtschreck / Parotitis / Peritonitis / puerperale Konvulsionen / Scharlach / Pocken / Stottern / Tetanus / Trismus / Tympanites / Typhusfieber / Varikosis / Schwindel / Geschwüre
Charakteristika
Sol. n. ist ein häufiges Unkraut, das an wüsten Stellen vorkommt. Es hat weiße Blüten und schwarze Beeren. "Die äußerlich aufgelegten Blätter lindern Schmerz und vermindern Entzündung. Eine zu große Menge verursacht heftige Übelkeit und Kopfschmerz, Schwindel, Benommenheit und andere gefährliche Symptome. Die Araber legen die Blätter bei Verbrennungen und Geschwüren, Hautkrankheiten sowie skrofulösen und kanzerösen Leiden auf; sie wirken schweißtreibend, diuretisch und abführend" (Green's Herbal). Hale sagt, einige Landärzte hätten es mit viel Erfolg angewendet, in der Meinung, es sei "eine einheimische Belladonna", irregeführt durch den Namen "Nachtschatten". Hale bestätigte seinen Gebrauch bei Meningitis und Kopfschmerz; bei Scharlach, wenn der Ausschlag fleckig ist. Hale weist mit Recht auf die enge Verwandtschaft von Sol. n. mit Bell. hin: Delir, Kopfschmerz, gerötetes Gesicht, funkelnde Augen, plötzlich kommende und gehende Schmerzen, feurige Ausschläge, brennende Haut und Schweiß. Das Schema setzt sich aus Arzneimittelprüfungen und Symptomen von Vergiftungsfällen zusammen; alle sind ungewöhnlich charakteristisch. Ein merkwürdiger Zug der Hautwirkungen des Schwarzen Nachtschattens ist, dass sie eine Neigung zur Schwärze haben: "Die Schwellung ist sehr schmerzhaft, sie vergrößert sich, wird glänzend, hart und tiefrot; und an mehreren Stellen ganz schwarz." "Der schwarze Farbton der geschwollenen Teile wird tiefer, die Finger werden steif" usw. "Die Nasenspitze, die Hände, von den Fingerspitzen bis zu den Knöcheln, und die Zehen bis zu den Fußwurzelgelenken werden ganz schwarz, wie regelmäßig gefärbt." Entsprechend dem schwarzen Aussehen besteht ein Gefühl wie zerschlagen am ganzen Körper. Die Kopfschmerzen von Sol. n. werden als "furchtbar" beschrieben. Sie sind spaltend, pochend, berstend, bohrend und sind < durch die geringste Bewegung des Kopfes, Licht, Geräusch, Bücken; durch die geringste Bewegung nach dem Sitzen; < in einem geschlossenen Zimmer und eher > im Freien. Am Tag nach Einnahme einer Einzeldosis Ø hatte ein Patient Coopers Folgendes: "Kopf fühlt sich quer über die Stirn voll an, Augen schwer, und die Stirn brennt; konnte sich nicht auf die Arbeit konzentrieren." Der Schwindel ist < beim Bewegen des Kopfes. Empfindung, als würde das Bett rasch im Kreis gedreht. Neigt beim Gehen nach links. Das Delir ist gekennzeichnet durch den zerebralen Schrei, Fluchtversuche und stotternde Sprache. Erweiterung der Pupillen ist so ausgeprägt wie bei Bell., und es besteht dieselbe Trockenheit von Mund und Hals. Krämpfe, Konvulsionen und tetanische Steifigkeit des ganzen Körpers sind hervorgerufen worden. Das eigentümlichste Merkmal der Konvulsionen ist dieses: "Mitten in diesen Konvulsionen strecken die Kinder häufig ihre kleinen Hände aus, führen sie dann begierig zum Mund und machen Kaubewegungen und Schluckbewegungen durch." Die Hautsymptome sind sehr ausgeprägt. Nach einer Dosis Ø verschwand bei einem Patienten Coopers folgender Zustand: Psoriasisflecken, an Knien, Ellenbogen und Stirn, schuppig, mit roten reizenden Flecken an den Haarwurzeln. Gehirn, als schwimme es. Als bewegten sich die Dinge im Kreis, beim Bücken. Als drehe sich das Bett rasch im Kreis. Als werde das Gehirn im Schädel hin- und hergeschüttelt, beim Bewegen des Kopfes. Als würde der Kopf zerspringen. Wie von einem Schlag auf die Stirn. Als ob Sand in den Augen sei. Als ob ein Splitter in der rechten Tonsille sei. Zunge wie verbrüht. Schmerzen kommen und gehen plötzlich. Symptome erstrecken sich aufwärts. Rechts oben, links unten. Wechselnde Kälte und Hitze. Die Symptome sind Berührung. Bewegung. Bewegen des Kopfes. Bewegen. Beginn der Bewegung nach dem Sitzen. Gehen (neigt nach links). Fehltritt. Schlucken. Licht. heller Sonnenschein (Augen). Schließen der Augen (Kopfschmerz zwingt ihn, die Augen zu schließen). Es besteht sehr große Empfindlichkeit gegen kalte Luft, doch Kopfschmerz ist im warmen Zimmer und im Freien. Viele Symptome sind morgens beim Erwachen. Kopfschmerz um 10 Uhr vormittags.
Beziehungen
Vergleiche: Im Allgemeinen Bell. und andere Solanaceæ. Zerebraler Schrei, Apis. Stottern, Stram. Kopfschmerz 10 Uhr vormittags, Nat. m. Splitterempfindung, Nit. ac., Hep. Zunge wie verbrüht, Sang. Schmerz im Nacken, Hell. Empfindung eines Schlages, Naj. (Naj. am Hinterhaupt, Sol. n. an der Stirn).
1. Gemüt
Delir: mit stotternder Sprache, Bemühungen, aus dem Bett zu kommen; mit durchdringenden Schreien und Konvulsionen. Vollständiges Aussetzen der geistigen Fähigkeiten. Apoplektischer Stupor, Muskeln erschlafft, Gesicht gerötet, Puls voll und unregelmäßig. Koma mit Zuckungen.
2. Kopf
Schwindel: beim Aufstehen und Umherbewegen, mit Schwindel vor den Augen; mit Übelkeit und Kolik; beim Bücken; beim Aufstehen morgens; > im Freien. Gehirn scheint zu schwimmen, < beim Bewegen des Kopfes. Empfindung, als würde sich das Bett rasch im Kreis drehen (zehn Minuten nach dem Zubettgehen). Beim Bücken Empfindung, als bewege sich alles im Kreis. Beim Gehen neigt sich der Körper nach l. Kopfschmerz: dumpf, schwer pochend; gefolgt von Erweiterung der Pupillen. Leichtigkeit im Kopf. Furchtbarer Kopfschmerz. Kopfschmerz < beim Beginn der Bewegung nach dem Sitzen; > beim Gehen im Freien. Sehr starker Schmerz im Kopf unmittelbar über den Augen, lässt ihn die Augen teilweise schließen; < durch Licht; durch Bücken; 10 Uhr vormittags. Kopfschmerz < in geschlossenem Zimmer. Gefühl, als würde der Kopf zerspringen. Gefühl bei geringster Bewegung nach dem Sitzen, als würde das Gehirn aus der Stirn bersten. In der Stirn: dumpfer, schwerer Druck; Empfindung wie von einem Schlag; Pochen während des ganzen Nachmittags. Starker Schmerz durch die Schläfen, als würde der Kopf zerspringen. Starker pochender Schmerz in der l. Schläfe < geringster Fehltritt und < Bücken um 1 Uhr nachmittags. Stechender nagender Schmerz in der r. Schläfe 9 Uhr vormittags, der ihn veranlasst, seine Hand zu greifen und die Augen zu schließen. Pochen der Schläfen- und Karotisarterien, 11 Uhr vormittags. Schmerz an einem kleinen umschriebenen Punkt am Scheitel. Druck auf Scheitel und Stirn. Ausschlag auf der Stirn aus kleinen roten Pickeln, berührungsempfindlich und sehr hart; wenn einer ging, kam ein anderer. Kopfhaut wund beim Bewegen der Hand durch das Haar. Kopfhaut wund, als seien die Haare heftig gezogen worden.
3. Augen
Falten um die Augen. Augen weit offen, feucht und funkelnd. Augen: rot; voll und gespannt; dumpf und schwer; brennend; sehr lichtempfindlich; Empfindung, als sei Sand darin. Schmerz: über dem l. Auge; stark in der Supraorbitalregion beim Erwachen morgens; < Bewegung und Bücken; schwere, wie geprellte Empfindung. Stechend einschießender Schmerz über dem r. Auge. Brennen in den Augenlidern. Brennen an den Lidernrändern. Augenlider geschwollen und juckend. Augenlider verklebt. Schmerz im l. inneren Augenwinkel. Tränenfluss. Pupillen erweitert: enorm und reaktionslos; abwechselnd mit Verengung. Sehen schwach, < durch helles Sonnenlicht. Erethische Amaurose. Muscæ; flimmernde schwarze Punkte und Streifen; Dunkelheit vor den Augen; alles schien zu hell. Funken vor den Augen (mit Übelkeit).
4. Ohren
Heftigste Parotitis. Stiche im Ohr. Geräusche scheinen entfernt. Summen vor den Ohren.
5. Nase
Nase tiefrot. Beträchtliches Niesen. Absonderung einer dünnen, wässrigen Substanz; aus dem r. Nasenloch, das l. ist verschlossen. Brennen in der Nase. Nase geschwollen, schmerzhaft und schwarz. Nasenspitze schwarz.
6. Gesicht
Falten um die Augen, auf der Oberlippe und an den Fingern. Gesicht stark kongestioniert, wild ängstlich. Gesicht: rot, geschwollen; aufgedunsen; juckend. Ausdruck: ermüdet; von Schrecken und Entsetzen; wie berauscht. Gesicht blass. Schorfe lösen sich vom Gesicht ab. Scharfe, neuralgieartige Schmerzen, vom Unterkiefer hinauf ins l. Ohr einschießend, plötzlich kommend und gehend (10 Uhr vormittags). Lippen trocken und mit Bläschen; wie verbrüht. Trismus.
8. Mund
Lippen und Zunge trocken wie verbrüht. Zunge wund wie verbrannt. Trockenheit: des hinteren Zungenrückens und des Gaumenbogens; des Mundes. Fader Geschmack (mit Schmerz über den Augen) beim Erwachen morgens. Das Sprechen wird beschwerlich.
9. Hals
Hals wund wie verbrannt. Stiche in der r. Halsseite. Rohes Gefühl im Hals, schmerzhaft beim Schlucken, fester oder flüssiger Speisen. Kitzeln im Hals, das Husten verursacht. Rachenenge: trocken; Stechen darin, < beim Schlucken, zeitweise Stiche, die zum Trommelfell des r. Ohres einschießen. L. Tonsille geschwollen. Gefühl, als sei ein Splitter in der r. Tonsille. Krampf im Ösophagus. Heftiges Klopfen der Karotiden.
11. Magen
Appetit verloren. Starker Durst, auf große Mengen, oft. Leeres Aufstoßen mit Brennen im Magen. Sodbrennen. Übelkeit mit Funken vor den Augen, anhaltend, bis er einschlief. Übelkeit und Würgen. Übelkeit und Bemühungen zu erbrechen, gefolgt von reichlichem Erbrechen, zuerst von Schleim, danach von bläulicher oder gräulich-schwarzer Flüssigkeit. Erbrechen: Aufgenommenes; schwärzlich-grüne Flüssigkeit, dick. Starker Schmerz in der Magengegend, sich in die Herzgegend und l. Schulter erstreckend (5 Uhr nachmittags). Druck im Magen; konstant oder anfallsweise. Krämpfe; Schneiden; Brennen in der Magengrube. Brennen im Magen, das sich hinauf in den Ösophagus erstreckt.
12. Bauch
Heftiges Schneiden in der Nabelgegend. Bauch übermäßig aufgetrieben und gespannt. Kolik; und wirkungsloser Drang. Schmerz 5 Uhr nachmittags, als würde der Darm mit Messern geschnitten. Schmerzen im Bauch und Verlangen, sich hinzulegen.
13. Stuhl und Anus
Tenesmus im Anus. Stuhl: natürlich, aber häufiger; halbflüssig; gelb, wässrig. Stühle gefolgt von brennendem Schmerz im Magen, nach oben sich erstreckend, mit Übelkeit. Verstopfung, kleine, trockene, harte Stühle.
14. Harnorgane
Wenn kein Schweiß ausbrach, trat eine außerordentliche Harnabsonderung auf, häufig gefolgt von Abführen.
17. Atmungsorgane
Atmung: rasch; schwierig; schnell, aber leicht; stertorös.
18. Brust
Brust: Beklemmung; Zusammenschnürung. Druck auf dem Brustbein und am zehnten Brustwirbel. Schneidende Schmerzen in der l. Seite. Am oberen Teil des Brustbeins ein großer runder Fleck, tiefrot.
19. Herz
Ängstliches Gefühl in der Herzgegend. Puls: rasch, kaum wahrnehmbar; unregelmäßig; langsam, klein, weich.
20. Hals und Rücken
Hals wund, steif, wie geprellt; < Bewegen des Kopfes. Starke Schmerzen in den Halsmuskeln. Große Schmerzen im Nacken und in den Schultern und in den unteren Extremitäten. Schmerzen im Nacken und zwischen den Schultern. Gefühl wie zerschlagen in Rücken und Extremitäten.
21. Extremitäten
Unruhe in den Extremitäten und Karphologie. Wandernde Schmerzen, zuerst in den Schultern, dann den Arm hinab, dann in den unteren Extremitäten. Starke Schmerzen in allen Extremitäten, 8 Uhr abends. Schmerzhaftes Ziehen in Armen und Füßen.
22. Obere Extremitäten
Arme schwer, kraftlos, < r. Dumpf-schwerer Schmerz im r. Arm, sich bis zu den Fingerspitzen erstreckend (10 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags). Einschießende Schmerzen den l. Arm hinab. Schmerz, der durch den l. Arm und das Handgelenk einschießt. Schmerz in der l. Schulter und im r. Handgelenk. Handflächen grünlich blau. Fingerspitzen schwarz wie gefärbt. Bläschen erscheinen auf dem Handrücken, brechen auf und sondern eine scharfe Flüssigkeit ab. Ausschlag wie Pocken; Schorfe bilden sich an den Fingern.
23. Untere Extremitäten
Gang unsicher, schwer, unzuverlässig. Zittern der unteren Extremitäten, bes. der Oberschenkelmuskeln, wie kleine aufeinanderfolgende Zuckungen. Untere Extremitäten kraftlos, < l. Oberschenkel schwach. Schmerz im r. Knie, der sich hinauf zur Hüfte erstreckt. Beine fühlen sich beim Gehen wund an, wie geprellt. In der l. Wade: Kompression, Kriebeln. Schwellung der Füße. Reißen auf dem Rücken des l. Fußes. Chronische Geschwüre an den Füßen.
24. Allgemeines
Koma, konvulsive Erregung, klagende Schreie. Mitten in der Konvulsion strecken die Kinder die Hände aus, als wollten sie etwas ergreifen, führen sie begierig zum Mund und machen Kaubewegungen und Schluckbewegungen durch. Heftigste konvulsive Erregung. Konvulsionen, tetanische Steifigkeit und Tod. Liegt auf dem Rücken in vollständiger Erschöpfung, in Abständen gestört durch krampfartige Bewegungen. Vermehrte Auftreibung und Hervortreten variköser Venen. Alle Muskeln berührungsempfindlich wund. Gefühl wie zerschlagen am ganzen Körper. Große Empfindlichkeit gegen kalte Luft.
25. Haut
Rote Flecken wie bei Scharlach; unregelmäßig über die ganze Oberfläche verstreut. Große Schwellung und unerträglicher Juckreiz von Gesicht, Augenlidern, Lippen, Händen und Füßen. Hände, Füße und Nase schmerzhaft, geschwollen und schwarz. Schwarze Linie der geschwollenen Teile; glänzend, schmerzhaft. Die Schwellung und schwarze Verfärbung nehmen zusammen ab und werden von Abschuppung gefolgt. Juckendes Brennen der Extremitäten. Bläschen auf dem Handrücken; Verschorfung an den Fingern; Blasen entleeren scharfe Flüssigkeit über die Arme. Schorfe lösen sich vom Gesicht ab, aber die r. Hand schwillt wieder an. Das Gesicht reinigt sich, aber die Hände sind wieder mit harten und sehr schmerzhaften Krusten bedeckt, die abfallen und bald durch neue ersetzt werden. Schwellung von Füßen, Armen, Bauch, Skrotum und Penis.
26. Schlaf
Schläfrigkeit; während des Vormittags; den ganzen Tag. Tiefer Schlaf. Nacht sehr unruhig, schlaflos, mit Halluzinationen und Karphologie. Mitten in der Nacht wacht er mit Stöhnen auf, das ihm durch heftigen Kopfschmerz entrungen wird. Gefühl beim Erwachen, als hätte er mehrere Nächte Schlaf verloren. Träume: die ihn in Schrecken wecken, mit Empfindung, aus großer Höhe zu fallen; von Schlangen.
27. Fieber
Wechsel von Kälte und Hitze. Hitzewallungen über das Gesicht, 3 Uhr nachmittags. Hohes Fieber, gefolgt von reichlichem Schweiß. Hohes Fieber, 12 Uhr nachts, mit großem Schmerz im Nacken, in den Schultern und unteren Extremitäten. Hitze, Rötung des Gesichts. Fieber, Schmerzhaftigkeit in der Präkordialgegend, Auftreibung des Bauches mit zeitweisem Schreien und Greifen an den Bauch, und Verstopfung. Brennende trockene Hitze. Haut brennend, schwitzend. Hitze im Gesicht, in den Händen und entlang des Rückens. Hitzewellen laufen den Rücken hinauf und hinab. Häufige Schweiße. Ganzer Körper in reichlichen Schweiß gebadet.